sueddeutsche zeitung: Verschwendet eure Daten!

Facebook tut, was Facebook tut. Und tut es immer weiter. Nahezu täglich steht das Unternehmen in der Kritik, weil es sein Produkt offenbar mit nassforscher Strategie weiterentwickelt: Man tüftelt ein neues Feature aus, schaltet es frei und aktiviert es sogleich für alle Nutzer standardmäßig. Empörte Aufschreie der überrumpelten Nutzer sind die Folge. Die gerade für Deutschland freigeschalteten Gesichter-Erkennung für Nutzerfotos befindet sich im Stadium eines solchen Aufruhrs.

Tatsächlich, so Facebook, markieren die Nutzer ihre Bilder an die 100 Millionen Mal – täglich. Sie tun es aus freien Stücken und sie tun es bewusst. Der neue, automatisierte Dienst unterstützt diese Prozedur und wird von einer Software geleistet, die immer treffsicherer erkennt, über je mehr korrekt erkannte Bilder sie verfügt. Wenn sie genug bestätigte Fotos von einer Person gespeichert hat, wird sie diese selbst dann erkennen, wenn sie Sonnenbrille und einen falschen Bart trägt.

Nachbarschaftshaus

Gesichtserkennung gilt als unmittelbarstes Wiedererkennen der eigenen Person. Darum der Aufschrei: Wenn Facebook weiß, wie ich aussehe, dann weiß Facebook, wer ich bin. Das ist zu kurz gedacht. Denn im Digitalreich Facebooks sind die Menschen selbst dann erfasst und längst identifiziert, wenn sie kein einziges Foto von sich eingestellt haben. Und zwar über ihre Registrierung und ihre Kommunikationsbeziehungen zu Freunden. Facebook weiß Vorlieben und Geschmack, kennt Beziehungen und Gewohnheiten. Facebook also erkennt Menschen, ohne deren Gesicht gesehen zu haben. Facebook verfügt über das digitale Spiegelbild einer Person – zusammengesetzt aus ihren Kommunikationen. Mit jedem neuen Eintrag mehrt und präzisiert Facebook dieses Wissen. Die Gesichtserkennung ist innerhalb des Facebook-Kosmos“ jedoch nicht nur ein weiteres Nugget im Datengold. Sie könnte virulent werden, wenn Facebook mit dem Schatz der erkannten Gesichter hinaus in die reale Welt tritt. Wenn eine reale Person in der analogen Welt identifiziert wird, könnte Folgendes in einem Laden passieren: ‚Ihre Freundin hat morgen Geburtstag. Kaufen Sie ihr keinen Ring! Wäsche muss es sein. Das sagen 85 Prozent ihrer, vor Ihnen versteckten Freunde.‘ (Quelle: sueddeutsche.de)

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Datum: Samstag, 11. Juni 2011 13:15
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Ein Kommentar

  1. 1

    Der Mensch ist eben kein Individuum mehr, dass sich in seinem eigenen Kopf sicher sein kann sondern ein Cyborg, der erkannt wird und Teil eines großen Ganzen ist. Privat wird neu definiert werden müssen, denn so sehr ich hinter den Bemühungen stehe, die Errungenschaften Privater Firmen wieder einzustampfen – das Rad der Zeit wird sich nicht zurück drehen lassen und wir müssen uns anpassen.